REGIE

MELANIE GIEL studierte zunächst von 1993 bis 1997 Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaften an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität. Im Herbst 1997 begann sie ihr Studium an der Ludwigsburger Filmakademie in Baden-Württemberg. Während des Studiums (Studiengang Regie-Spielfilm) drehte sie u.a. die  Kurzfilmkomödie "Anatol mag kein´ Alkohol" (1998) sowie den düsteren Kurzthriller "Okzipital" (1997). 1999 folgte mit "Als Frau M. sich nicht mehr fand" ein bewegendes Psychodrama, das beim Stuttgarter Filmwinter 2000, für den Nachwuchspreis nominiert wurde und beim Publikum grosses Lob und Anklang fand.

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Seit 2001 lebt und arbeitet Melanie Giel wieder in Düsseldorf, wo sie als freie Drehbuchautorin und Regisseurin verschiedene Projekte realisierte.

INTERVIEW MIT MELANIE GIEL

 
"Natural Born Moeller" ist ein sehr ungewöhnliches Projekt,  wie genau, kamst du auf die Idee dazu?   

Es gab zwei Grundideen - die eine war das Thema, die zentrale Frage des Films: Wie wichtig sind die Ziele, denen man im Leben ständig hinterher jagd wirklich? Die andere war, dass  ich schon lange eine reale Dokumentation  über Martin drehen wollte, da ich ihn seit meinem Studium in Ludwigsburg kenne und ihn immer schon einmal filmisch porträtieren wollte. Martin gefiel die Idee, und nachdem wir näher über das Projekt sprachen, beschloss ich der Handlung zusätzlich einen fiktiven Rahmen zu geben um dem Film eine bestimmte Dramaturgie zu verleihen.

Wie ging es weiter?   

Ich entwickelte die Rahmenstory und traf mich mit Martin und Susanne Kamps, die die Susi spielt, in Berlin. Susanne und Martin kennen sich noch von den Dreharbeiten zur "Sonnenallee". Susi passt perfekt weil sie einerseits genug Abstand zu ihrer Rolle hat, andererseits aber auch so viel von sich selbst mit einbringen kann, dass es sehr authentisch und glaubhaft wirkt. 

War ein Drehbuch von Anfang an geplant?

Nein, definitiv nicht. Ich habe mich lange dagegen gewehrt ein klassisches Drehbuch für den Film zu schreiben, weil ich es bei meiner geplanten Arbeitsweise für überflüssig hielt. Ich wollte den Darstellern lediglich die Rahmenhandlung vorgeben und was in den jeweiligen Szenen passiert, die Dialoge sollten sie dann jedoch in ihrer eigenen Sprache sprechen.

Warum war dir das so wichtig?

Weil es eben einen riesen Unterschied macht, ob man einem Schauspieler einen vorgeschriebenen Text in den Mund legt, oder ob man ihm seine eigene Sprache lässt. Nur absolut brillante Schauspieler sind in der Lage nahezu jeden Text so zu adaptieren, dass es immer noch natürlich wirkt. Da ich viel mit Laien und Typecasts arbeite, lasse ich sie lieber improvisieren.

Was genau meinst du mit "Type-Casts" ? Das Wort hört man nicht so oft in Deutschland.

Ich meine damit Schauspieler, die eigentlich immer nur sich selbst spielen und weitgehend darauf festgelegt sind. Es sind so extreme Originale, dass sie sehr aus der Masse herausstechen und dem Zuschauer oft lange im Gedächtnis bleiben. Gerade weil sie so speziell sind, sind sie nicht sehr flexibel.  Ihre Originalität macht sie einerseits zu etwas sehr Besonderem, legt sie aber auch sehr fest, oft sind es auch Laien oder Schauspieler, die an keiner Schauspielschule gelernt haben. Die sind oft zufällig zur Schauspielerei gekommen oder von Castern entdeckt worden.
Klassisch ausgebildete Schauspieler dagegen, können nahezu alles spielen, dafür sind sie ja auch ausgebildet. Sie sind menschliche Chamäleons und eignen sich perfekt für klassische Produktionen, wo nach den Rollen im Drehbuch gecastet wird. Ich mache es lieber umgekehrt und schreibe den Darstellern die Rollen auf den Leib.

Wieviel Martin Moeller steckt also in der Rolle des durchgeknallten "NBM"?

Lacht. - Das musst du ihn schon selber fragen. Ich kenne ihn als einen sehr umgänglichen und witzigen Zeitgenossen. Diese durchtriebene Boshaftigkeit des N.B.M. habe ich noch nie an ihm beobachtet. Allerdings halte ich ihn für ähnlich zielstrebig wie die Figur des Martin.
Wenn er etwas will, erreicht er es auch. Egal wie.  Und dann ist da ja auch noch sein Haus. Das ist quasi 1:1 Martin Moeller, wie er leibt und lebt. Da musste kein Ausstatter mehr Hand anlegen, dieses Chaos mitten im Wald existiert tatsächlich.

In welchem Stadium befindest du dich aktuell mit NBM?

Im Prinzip sind wir so gut wie startklar. Es müssen nur noch Teile des Casts & der Crew besetzt werden. Die Preproduction wird voraussichtlich 2-3 Monate dauern. Am allerwichtigsten sind momentan die Finanzierungspartner. Neben konventionellen Förderern, wie den Landesstiftungen und Sendern, sind wir auch offen für neue Formen wie "Branded Entertainment", oder anderen Synergien zwischen Kunst und Wirtschaft.

Gibt es neben der verrückten Story und dem durchgeknallten Martin, zusätzliche Features, die das Projekt spannend machen und sich für eine PR-Kampagne eignen?

Ja, einzelne Rollen, sollen mit bekannten Stars besetzt werden. Sowohl bekannte Schauspieler, die eventuell Cameo-Auftritte als auch bekannte Musiker oder andere Prominente die kleinere Rollen übernehmen.
Außerdem plane ich den Soundtrack zum Film von verschiedenen Rockbands zusammenstellen zu lassen und eine CD dazu herauszubringen.

Schwebt dir ein bestimmter Style vor, den du bei NBM transportieren willst?

Ja, ich mag gerne diese etwas kitschige und chaotische White-Trash-Ästhetik.
Martins Häuschen mit den Plastikstühlen im Garten, sein Look mit Mesh-Cap und Schnurrbart, der alte Ford Granada.... Das ist schon sehr trashy.
Ich mag das. Es ist ehrlich, zeitgemäß und hat Charme.

Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit NBM!

Bitte & Danke!